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REZENSION: Anguis, Gilded Balloon Teviot, Edinburgh Fringe ✭✭✭
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Von
markludmon
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Mark Ludmon bespricht Sheila Atims vielversprechendes Debütstück Anguis im Gilded Balloon Teviot beim Edinburgh Fringe
Anguis Gilded Balloon Teviot, Edinburgh Fringe
Drei Sterne
In ihrem Debütstück Anguis hat Sheila Atim ein wunderbar einfallsreiches Konzept entwickelt, um Fragen von Wahrheit zu erkunden – und was es bedeutet, eine Frau zu sein. Sie holt die große ägyptische Pharaonin Kleopatra aus den himmlischen Gefilden von Aaru und setzt sie in ein Broadcast-Studio, wo sie für einen Podcast interviewt wird. Unglaublich klug, ein wenig snobistisch und ganz und gar moderne Feministin, stellt diese Kleopatra die tradierten Bilder ihrer Person in der von Männern gemachten Geschichtsschreibung infrage – nicht zuletzt den unwahrscheinlichen „Fakt“, sie habe sich durch das Gift eines Schlangenbisses selbst getötet.
Doch Anguis handelt ebenso sehr von der Interviewerin, Dr. Kate Williams, einer steil aufsteigenden Virologin, die sich auf ihre monatlichen Podcasts konzentriert, während sie gleichzeitig mit eigenen Dämonen ringt, die mit einer beruflichen Auszeit zusammenhängen. In ihrem Gespräch erkundet das Stück, wie sehr wir die Wahrheit über unser eigenes Leben tatsächlich steuern können – zumal diese Leben, insbesondere bei Frauen, allzu oft über Männer erzählt werden. Kleopatra regierte Ägypten 21 Jahre lang, doch selbst Kate ertappt sich dabei, Fragen zu ihren Liebhabern Marcus Antonius und Julius Caesar zu stellen.
Das Podcast-Format erinnert an Desert Island Discs – mit Live-Musik – und es zeigt sich, dass Kleopatras Fähigkeiten weit darüber hinausgehen: Sie ist eine brillante Gitarristin und Sängerin. Mit eindrucksvoller Würde von Paksie Vernon gespielt, präsentiert sie eine Reihe schöner, kraftvoller Songs, darunter das berührende „Shadow of My Heart“. Auch Janet Kumah überzeugt als Kate: nach außen stark, innerlich jedoch bröckelnd.
Das ist ein vielversprechendes Schreibdebüt von Atim, die vor allem als Schauspielerin bekannt ist, unter anderem für ihre mit dem Olivier Award ausgezeichnete Rolle in Girl from the North Country. Straff inszeniert von Lucy Jane Atkinson, wirft das Stück einige zeitgemäße Gedanken zu Wahrheit und Frausein in den Raum, auch wenn nicht immer klar ist, wie sich die Erfahrungen der beiden Frauen innerhalb der Handlung zueinander verhalten. Doch mit zwei starken zentralen Leistungen, gut unterstützt von Peter Losasso als Tontechniker, bestätigt Anguis Atim als spannende neue Stimme im Theater.
Läuft bis 26. August 2019
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