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KRITIK: Allegro, Southwark Playhouse ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

14. August 2016

Von

danielcolemancooke

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Gary Tushaw, Emily Bull und die Company von Allegro

Southwark Playhouse

13. August 2016

4 Sterne

Jetzt buchen Das Southwark Playhouse glaubt ganz offensichtlich an Wiederentdeckungen: Nachdem man im vergangenen Jahr aus berüchtigten Flops wie Carrie und Xanadu bemerkenswertes Theater gemacht hat, nimmt man sich nun Allegro vor.

Es war Rodgers & Hammersteins erster größerer Fehlgriff – und das direkt nach Riesenerfolgen wie Oklahoma! und Carousel. Eine wechselhafte Broadway-Laufzeit sorgte dafür, dass die Show nie nach London kam; bis jetzt – sechzig Jahre später.

Die Handlung folgt vier Jahrzehnten im Leben von Joseph Taylor Jr.: von seiner Geburt in einer kleinen Stadt im Mittleren Westen über die Collegezeit bis hin zur Ehe. In der kleinen Landarztpraxis seines Vaters ist er zufrieden und im Reinen mit sich – bis er dem Drängen seiner Frau nachgibt und in die Großstadt zieht. Dort muss er sich unbequemen Fragen stellen: wer er ist, was ihm wirklich wichtig ist und wie er zu seiner Frau empfindet.

Die Company von Allegro

Das Buch ist herzerwärmend schlicht und grundanständig, wirkt jedoch stellenweise einen Hauch zu süß und moralisierend. Am stärksten ist die Inszenierung, wenn sie die dunkleren Themen der zweiten Hälfte zulässt und den Mythos vom amerikanischen Traum wirklich infrage stellt.

Ein charmanter „griechischer Chor“ – seiner Zeit spürbar voraus – wird sehr wirkungsvoll eingesetzt, besonders in der „Verhandlungs“-Szene, in der er den Figuren visuelle Hinweise gibt und ihre Manipulation unterstützt.

Etwaige Schwächen im Buch werden durch Rodgers & Hammersteins gewohnt starke Partitur ausgeglichen, gespickt mit einigen einprägsamen und vergnüglichen Nummern. Eine großartige Besetzung arbeitet die üppigen Harmonien wunderbar heraus, getragen von einer mitreißenden Band.

Gary Tushaw, Emily Bull und die Company

In den Hauptrollen überzeugen zwei herausragende Leistungen: Gary Tushaw zeichnet Josephs Weg von kindlicher Unschuld zur Midlife-Crisis brillant nach, während Emily Bull als seine Frau Jennie intrigant und ehrgeizig auftritt. Beide verfügen über kraftvolle Stimmen und vermitteln echte emotionale Tiefe.

Unter den Nebendarsteller*innen beeindruckte Dylan Turner als Josephs geschniegelt-dandyhafter Freund Charlie, ebenso Katie Bernstein, die als warmherzige Assistentin Emily eine zarte, berührende Leistung zeigt. Das Ensemble ist stark – mit einigen Profidebüts – und alle schlagen sich sehr gut.

Durch die Traverse-Bühne war der Platz oft äußerst knapp, was Lee Proud’s hervorragende Choreografie umso beeindruckender macht. Wegen des begrenzten Raums setzt die Produktion häufig auf Leitern (ein bisschen wie bei In the Heights) – das bedeutet viel Klettern, was in der ersten Hälfte mitunter etwas ermüdend wird.

Die Company von Allegro

Ebenfalls lobenswert ist Andrew Johnsons Sounddesign. Musik und Gesang waren perfekt aufeinander abgestimmt und wurden durch eine präzise Diktion der Besetzung unterstützt – so waren die cleveren Texte klar und deutlich zu verstehen.

Thom Sutherlands Inszenierung von Allegro ist ein voller Erfolg und verleiht einem vielleicht zu Unrecht gescholtenen Stück einen positiven Glanz. Intelligent inszeniert, hervorragend gesungen und stark gespielt – ein unterhaltsames Stück Americana in SE1.

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