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REZENSION: Alice im Wunderland, Mercury Theatre Colchester ✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
pauldavies
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Paul T Davies rezensiert Mike Kennys Bühnenfassung von Alice im Wunderland am Mercury Theatre in Colchester.
Alice im Wunderland Mercury Theatre, Colchester.
3. August 2022
3 Sterne
Lewis Carrolls klassisches, opiumgeschwängertes Märchen hat es geschafft, in vielen Formen und Bearbeitungen bis ins 21. Jahrhundert zu überleben – und Mike Kennys Adaption verlegt die Geschichte auf den Morgen von Alices besonders wichtiger Prüfung. Es ist ein Fiebertraum, ausgelöst durch Prüfungsangst, und die Produktion kann mit einem hervorragenden Ensemble und Kreativteam aufwarten, die uns mit auf die Reise nehmen. Hinter den Kulissen ging es offenbar ebenfalls etwas „kaninchenbauartig“ zu: Beth Mabin sprang mit nur wenigen Tagen Vorlauf ein, um eine erkrankte Darstellerin zu ersetzen.
Am Premierenabend musste man sich um sie keinerlei Sorgen machen – sie ist eine perfekte Alice: forschend und neugierig. Die Truppe aus Darsteller*innen und Musiker*innen ist ausgezeichnet; Tom Moores ist ein wunderbarer Weißer Hase, mit großartigem komödiantischem Timing und viel Gespür fürs Publikum. Und ich habe Rosalind Fords Herzogin geliebt – besonders ihre Schlussnummer in Akt eins über Babys, die Ihnen in der Pause garantiert als Ohrwurm im Kopf bleibt! Natasha Karp ist eine furchteinflößende Herzkönigin, und Jamie Noar sowie Loris Scarpa liefern als Tweedledee und Tweedledum einen starken Auftritt. Der eigentliche Star des Abends ist die Einfallsreichheit der Inszenierung: eine herrliche Raupen-Sequenz, entzückende Flamingos und Igel fürs Krocket – bravo an Designerin Anisha Fields und ihr Team. Mal wirkt das Ganze wie ein Computerspiel, mal wie eine Kindersendung aus den 1980ern. Sehr gefallen hat mir auch, dass an einer Stelle die gesamte Company zu Alice wird – als wäre Jane Horrocks geklont worden und hätte begonnen, auszuschwärmen!
Das schwächste Element ist für mich das Material selbst. Die erste Hälfte ist beschwingt und rasant, doch es handelt sich nun einmal um eine weitgehend handlungsarme Geschichte, und in der zweiten Hälfte lässt die Energie nach. Das ist nicht die Schuld des Ensembles – vielmehr bleibt unklar, an wen sich Kennys Adaption eigentlich richtet. Wenn sie sich an Kinder wendet, die gerade ihre GCSEs machen, könnten die dafür womöglich schon zu cool sein; und für jüngere Zuschauer*innen ist es vielleicht nicht magisch genug. Auch Alices Suche nach ihrer Identität will nicht recht überzeugen – sie wirkt nachträglich ergänzt, um zeitgenössische Relevanz herzustellen. Natürlich wissen wir nicht, auf welchem Stand die Produktion war, bevor Covid dazwischenkam, und die Show muss sich erst einspielen, um das richtige Tempo zu finden.
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