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KRITIK: Eine Frau ohne Bedeutung, Richmond Theatre ✭✭

Veröffentlicht am

Von

julianeaves

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Julian Eaves rezensiert Oscar Wildes Eine Frau ohne Bedeutung im Richmond Theatre im Rahmen der UK-Tournee.

Eine Frau ohne Bedeutung

Richmond Theatre

18. September 2019

2 Sterne

Tourneeplan (UK)

Im vergangenen Jahr gab es im Vaudeville Theatre im West End eine wahre Flut an Oscar-Wilde-Stücken; darunter einige grandiose Treffer – etwa Jonathan Churchs nahezu perfekter Ein idealer Gatte – und auch einige weniger geglückte Angebote.  Dieses hier gehört zu den weniger gelungenen Texten – eine problematische Mischung aus Salon-Aphorismen und schwerfälligem Melodram: Regisseur Dominic Dromgoole galt als jemand, der es im West End klug besetzt und die beiden konkurrierenden Spielarten so gut ausbalanciert hat, wie es überhaupt möglich ist.  Doch bei der Vorbereitung der Tourneeproduktion – komplett neu besetzt – scheint etwas aus dem Ruder gelaufen zu sein.

Was wir nun, beginnend in Richmond, zu sehen bekommen, ist ein schinkenlastiger Brocken „English Heritage“-Theater, der weder als leichtfüßige, giftige Komödie funktioniert noch als leidenschaftliche, ibsenhafte Abhandlung über die Ungerechtigkeiten spätviktorianischer Geschlechterrollen und sozialer Moral.  Wer allerdings kein Englisch spricht, kann sich an einer Vielzahl wirklich, wirklich wunderschöner Kostüme von Jonathan Fensom erfreuen – sie sind schlicht umwerfend – und damit durchaus zufrieden sein.  Tatsächlich ließe sich womöglich ordentlich Kasse machen, wenn man das Publikum (diese Produktion wird sich nahezu überwältigend an ein eher entspanntes, rentennahes Publikum wenden) dazu bringt, früh zu kommen, um in dieser prachtvollen Garderobe fotografiert zu werden – in den hübschen, extra dafür gebauten Bühnenbildern, die sie so vorteilhaft in Szene setzen.  Das wäre womöglich eine sinnvollere Unternehmung, als sie zwei Stunden im Zuschauerraum sitzen zu lassen, um die holprig-unausgewogene Erfahrung des Stücks über sich ergehen zu lassen, das offenbar versucht, die flache, betäubende Nostalgie von Downton Abbey zu reproduzieren.  Natürlich sind sehr viele Britinnen und Briten von dieser Sehnsucht befallen – und vielleicht hoffen die Produzenten dieser Tour, dass genug von ihnen gern landauf, landab Karten buchen, um das als „Live“-Erlebnis zu bekommen.  Abgesehen vom gelegentlichen Seitenhieb auf die Nutzlosigkeit des Parlaments gibt es für heutige Zuschauerinnen und Zuschauer in diesem Stück nicht allzu viel, woran sie anknüpfen können.

Es gibt vier Akte.  Der erste, auf der neogotischen Terrasse von Hunstanton Chase, ist eine steife Angelegenheit, mit viel vordergründig-deklamatorischer Lieferung dessen, was eigentlich sorglos-luftige Schlagfertigkeit sein sollte; Dromgoole lässt seine Darsteller auf oberflächliche Bravour setzen, statt darunter irgendeine Tiefe oder Komplexität anzudeuten – die bei solchen gesellschaftlichen Zusammenkünften tatsächlich allgegenwärtig ist.  Isla Blair (Lady Caroline Pontefract) und Liza Goddard (Lady Hunstanton) sind dafür beispielhaft: beides bekannte Namen, oben auf der Besetzungsliste, doch sie ernten eher Lächeln und Kichern als die Bauch-Lacher, die es bräuchte, um die unteren Chakren zu erreichen und uns wirklich für sie zu interessieren.  Tatsächlich gelingt das im gesamten Abend nur einem Schauspieler – dem anderen Star, Roy Hudd (der mit 83 noch in ziemlich guter Form ist, wenn auch manchmal etwas untertourig) – als dipsomanischer Langweiler, Reverend Daubney: Er findet den Kontakt zu jener erdigeren, derberen Seite der Komik, die absolut notwendig ist, wenn wir als Publikum überhaupt zwei Pfifferlinge darauf geben sollen, was passiert.

Leider wählen die übrigen, zweifellos fähigen Ensemblemitglieder durchweg klappernd zweidimensionale Projektionen von Puzzleteilen in einem nicht sonderlich interessanten Gesamtbild.  Emma Amos ist als Mrs Allonby attraktiv, aber nicht mehr, und Meg Coombs wirkt als Lady Stutfield schlicht fehl am Platz.  Georgia Landers steckt Mühe in ihren amerikanischen Akzent als Miss Worsley, scheint aber nie wirklich zu fassen, wer diese Figur ist.  Tim Gibson bleibt als Gerald Arbuthnot blass und harmlos.  Gelegentlich wird es besser durch die dunklen Schatten, die Mark Meadows als Lord Illingworth wirft, doch er wird ausgebremst, weil ihm ringsum nur hauchdünne Charakterzeichnungen begegnen.  Mit einer Ausnahme.  Die hamletartige, in schwarzen Samt gekleidete Mrs Arbuthnot von Katy Stephens besitzt eine düstere Gravitas, die hier sogar noch unbeholfener wirkt als die des Prinzen von Dänemark in Elsinor.  Doch ihre ernste, märtyrerhafte – nahezu humorlose – Rolle mit der Frivolität der anderen um sie herum in dieser Gruppe zu verschmelzen, erweist sich für Dromgoole als unlösbare Aufgabe.

Das Gerede – von wirklicher Handlung kann keine Rede sein – wandert über ein nach dem Essen stattfindendes Salonzimmer im Schloss, dann zurück auf die Terrasse im Sternen- und Kerzenlicht, bevor es am nächsten Tag im bescheideneren Wohnzimmer von Mrs A.s Haus in Wrockley endet.  Durchweg überzeugt nur Stephens: Ihre Probleme werden vor allem durch den Text verursacht, der bis zum allerletzten Moment wartet, bevor er die Stärke offenbart, die sie zwei Jahrzehnte lang hat durchhalten lassen.  Das ist eine lange Wartezeit für jede Schauspielerin, und diese hier meistert es, geduldig darauf zu warten.  Wie gut das Publikum diese Strecke ebenfalls durchhält, bleibt abzuwarten.

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