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KRITIK: Ein Sommernachtstraum, Shakespeare's Globe London ✭✭✭
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Von
matthewlunn
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Matthew Lunn bespricht William Shakespeares Ein Sommernachtstraum, derzeit im Globe in London zu sehen.
Ekow Quartey (Lysander) und Faith Omole (Hermia). Foto: Tristram Kenton Ein Sommernachtstraum
Shakespeare's Globe, London
3. Juli 2019
3 Sterne
Ein Sommernachtstraum ist eines von Shakespeares zugänglichsten Stücken – eine zeitlose Farce, der zur Sicherheit noch ein bisschen Magie beigemischt ist. Sein Lackmustest für den Erfolg war die Reaktion seines Publikums, und es wird oft zitiert, wie entsetzt er wohl darüber gewesen wäre, dass seine Stücke einmal bis ins Detail akademisch seziert werden. Mit diesem Massstab im Hinterkopf ist diese Inszenierung ein unbestreitbarer Erfolg, und selten sieht man ein Publikum, das so offensichtlich grossartig unterhalten wird – selbst an einem Presseabend (ich habe mindestens einmal gejubelt).
Als Erstes fällt die psychedelische Farbpalette ins Auge: eine Kakofonie aus Gelb-, Pink- und Grüntönen, die – zusammen mit regelmässigen musikalischen Einlagen – eine Jahrmarktstimmung erzeugt. Zunächst hatte es etwas davon, als wolle die Produktion sich zu sehr anstrengen. Das Bild einer offenkundig entführten Hippolyta (Victoria Elliott), die von einem Theseus (Peter Bourke) in pinker, diktatorisch anmutender Montur empfangen wird, liess mich eher kühl, und als die vier Liebenden aus unerfindlichen Gründen in abwechselnd Schwarz und Weiss auftraten – die Hosen stets im Gegensatz zu den Oberteilen –, fürchtete ich, dass jede Subtilität verloren ginge. Doch diese Eröffnungsszenen gehören zu den trockensten im komischen Kanon Shakespeares. Wenn die Handwerkertruppe auftritt und Zettel (eine souveräne Leistung von Jocelyn Jee Esien) ungeniert die Bühne an sich reisst, beginnt die Inszenierung, ihre eigene Stimme zu finden.
Victoria Elliott als Titania. Foto: Tristram Kenton
Das ist ganz und gar ungeniert albern: von Oberon (ebenfalls Bourke), der „Ich bin unsichtbar“ behauptet, während er wie eine aufgequollene Meereskreatur aussieht, bis hin zum Einsatz eines Publikumsmitglieds als „Starveling“ (mit einer hervorragenden Pointe in den letzten Szenen) – die Produktion füttert uns stetig mit Lachern. Das hat etwas von einem Zuckerschub und ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, welchen Wert Unsubtilität haben kann. Dennoch gibt der Umstand zu denken, dass die vielschichtigen Leistungen der vier Liebenden zu den befriedigendsten komischen Dialogen führten. Die Nuancen von Hermias (Faith Omole) und Helenas (Amanda Wilkin) Liebe und ihrem gerechten Zorn – getragen von zwei hervorragenden Darbietungen – ergänzten auf schöne Weise Lysanders (Ekow Quartey) demonstratives Werben um Erstere und Demetrius’ (Ciaran O’Brien) Entsetzen über Letztere; das mündet in eine herrlich ausgearbeitete Konfrontation, nachdem Puck seine Magie hat wirken lassen. So sehr Unsubtilität ihren Reiz hat: Diese kontrastierenden Szenen zeigten auch ihre Grenzen.
Jocelyn Jee Esien als Zettel. Foto: Tristram Kenton
So gelungen der Gesamteindruck der Inszenierung auch ist – einige Einfälle funktionierten für mich nicht ganz. Dass die Rolle des Puck innerhalb des Ensembles rotiert – manchmal sogar von Zeile zu Zeile –, war zwar spannend, bot aber keinen echten Erkenntnisgewinn und nutzte die komischen Möglichkeiten nicht vollständig aus. Ausserdem ist eine beträchtliche Menge zusätzlicher moderner Text in die Vorlage eingewoben; das funktionierte bei den Handwerkern (und vor allem bei Zettel) meistens sehr gut, wirkte aber deplatziert, wenn die Liebenden ihn sprachen. Das ist vielleicht teilweise Geschmackssache – zwei meiner Lieblingsleistungen waren Billy Seymours Flöte und Victoria Elliotts Titania, die ihre Figuren klassisch anlegen. Trotzdem gab es Momente, in denen die Schönheit und der Witz des Textes von der Schaustellung der Produktion in einem fast unbestreitbaren Mass überdeckt wurden. In vielerlei Hinsicht ist es bezeichnend, dass Pucks Schlussrede von einem brillant choreografierten Bühnenbild-Setpiece regelrecht zerschlagen wird: Das bündelt die grossen Stärken und die nagenden Schwächen der Inszenierung – ein mitreissender Abend, der aus eigener Kraft trägt, aber Bedeutung zugunsten der Unterhaltung opfert.
WEBSITE VON SHAKESPEARE'S GLOBE
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