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KRITIK: Ein Weihnachtslied, Derby Theatre ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
20. Dezember 2019
Von
garystringer
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Gary Stringer rezensiert Neil Duffields Bühnenadaption von Charles Dickens’ Eine Weihnachtsgeschichte, derzeit im Derby Theatre zu sehen.
Foto: Robert Day Eine Weihnachtsgeschichte
Derby Theatre
Vier Sterne
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Erstmals 1843 veröffentlicht, ist Charles Dickens’ Eine Weihnachtsgeschichte wohl die zweitbekannteste Weihnachtsgeschichte überhaupt. Entstanden in einer Zeit der Entbehrung und den Zeitgeist der weihnachtlichen Feierlichkeiten im mittleren Viktorianischen Zeitalter einfangend, prägte sie maßgeblich unser modernes Verständnis der Festtage – mitsamt einiger Traditionen, die wir bis heute pflegen – sogar die Redewendung „Frohe Weihnachten“. Das Werk wurde unzählige Male dramatisiert und adaptiert, quer durch nahezu jedes Genre; und sein „Bah, Humbug!“-Protagonist diente als Inspiration für alle, von Anthony Newley bis Michael Caine, von Patrick Stewart bis Marcel Marceau.
Foto: Robert Day
Nach einer erfolgreichen Inszenierung 2014 – geschrieben von Neil Duffield und inszeniert von Derby Theatres künstlerischer Leiterin Sarah Brigham – kehrt Eine Weihnachtsgeschichte zurück, um Derby erneut heimzusuchen. Dieses Mal wird sie von Regisseur Oliver O’Shea neu gedacht, der mit dem Haus vertraut ist: Als Associate Director war er bereits bei den früheren Produktionen Hänsel und Gretel und Peter Pan dabei. Die Planungen begannen bereits letzten Weihnachten; O’Shea wollte mehr Live-Musik in diese Produktion integrieren – und das ist ganz eindeutig gelungen: Eine Reihe klassischer Weihnachtslieder und gereimter Zweizeiler treibt die Erzählung voran. Getreu dem alten Sprichwort „Never change a winning team“ zaubert Oliver dennoch reichlich Überraschungen, große Emotionen und echte Schreckmomente hervor. Tatsächlich sorgte diese warnende Geschichte mit vier übernatürlichen Spukgestalten dafür, dass einige der anwesenden Teenager laut aufschrien.
Foto: Robert Day
Die achtköpfige Besetzung spielt mehrere Instrumente – und mehrere Rollen; Gareth Williams gibt einen herrlich griesgrämigen Scrooge. Er nimmt uns überzeugend mit auf Ebenezers Weg von Unglauben und Widerwillen über Trauer und Reue bis hin zu seiner schließlich überschwänglichen Freude an der Botschaft von Weihnachtsglück und Mitmenschlichkeit. Aimée Kwan liefert in dieser Produktion als Belle ein souveränes Profi-Debüt, während James McLean seiner Darstellung des überschwänglichen Geists der gegenwärtigen Weihnacht einen Hauch britischer Panto mitgibt – als Kontrast zu seinem schwefeligen Jacob Marley, ganz Feuer und Verdammnis. Gemeinsam findet die Truppe kluge, interessante Zugänge zu den bekannten Figuren – über die verschiedenen Zeitebenen der geisterhaften Heimsuchungen hinweg. Drei Teams junger lokaler Darstellerinnen und Darsteller unterstützen die Hauptbesetzung im Wechsel; bei dieser Vorstellung leistete das „Red Team“ hervorragende Arbeit.
Das Bühnenbild wird von einem uhrwerkartigen Schild dominiert, das die runde Spielfläche ergänzt; beides wird raffiniert genutzt, während die Handlung sich durch die Stationen von Ebenezers Leben windet. So entsteht Mitgefühl, während wir seine Läuterung vom Geizkragen miterleben. Clevere Lichtwechsel, Sounddesign und einfallsreiche Handgriffe – plus die Musikinstrumente – lassen die Spukerscheinungen lebendig werden und hielten das Publikum in gebannter Aufmerksamkeit. Etwaige Befürchtungen, das überwiegend jugendliche Publikum würde doch wieder vom Handy abgelenkt, waren schnell ausgeräumt.
Foto: Robert Day
Was, beim Dickens, würde Dickens wohl aus unserem 21. Jahrhundert machen – in dem trotz so vieler Fortschritte seine beiden Schreckgespenster „Unwissenheit und Not“ noch immer erschreckend sichtbar sind? Trost, so hoffe ich, liegt in der Botschaft dieser Jahreszeit – und in dieser Inszenierung. Während Scrooge und dieses Publikum über Meere und Berge hinweggeführt werden, hören sie die universelle Botschaft des Wohlwollens, dargeboten in einem Strudel aus Licht und in einer Vielzahl von Sprachen: „Frohe Weihnachten“ – an jede und jeden.
Zu sehen bis 4. Januar 2020.
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