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REZENSION: 13 das Musical, Netflix ✭✭✭✭
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Von
douglasmayo
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Douglas Mayo bespricht die Filmadaption von 13 – Das Musical, die jetzt auf Netflix zu sehen ist.
Foto: Netflix 13 – Das Musical
Netflix
4 Sterne
Immer mehr Filmmusicals erscheinen direkt bei Streamingdiensten wie Netflix – und generell merkt man, dass Filmschaffende (oft mit tatkräftiger Unterstützung von Theater-Kreativen) den Weg zurück zu richtig guten Filmmusicals finden. Als angekündigt wurde, dass 13 – Das Musical zu Netflix kommt, war ich daher leise hoffnungsvoll.
13 ist ein Originalmusical mit Musik und Songtexten von Jason Robert Brown sowie Buch von Dan Elish und Robert Horn. Es war das einzige Broadway-Musical überhaupt, dessen Ensemble und Band vollständig aus Teenagern bestand. 2014 brachte das National Youth Music Theatre (UK) eine Produktion im Apollo Theatre im Londoner West End heraus, inszeniert von Jason Robert Brown. Ich habe diese Produktion gesehen und war überwältigt von der Brillanz des Ensembles, der schlichten Inszenierung und dem riesigen Herz und Humor, die von der Bühne strömten.
Foto: Netflix
13 erzählt die Geschichte von Evan Goldman, einem 13-jährigen gebürtigen New Yorker, der wegen der Scheidung seiner Eltern nach Appleton, Indiana, ziehen muss. Seine Bar-Mizwa steht auf dem Spiel – und ein Umzug ins gefühlte Nirgendwo steht bevor; für Evan ist das das Ende der Welt. In Appleton lernt er neue Leute kennen und verbeisst sich darauf, die „coolen“ neuen Freunde dazu zu bringen, zu seiner Bar-Mizwa zu kommen. Teenie-Drama folgt – wie immer zwischen Nerds und den Coolen –, aber am Ende wird alles gut.
Für die Verfilmung werden die Erwachsenenfiguren stärker „aus Fleisch und Blut“ gezeigt, ohne den Hauptfokus des Musicals – das Teenager-Ensemble – allzu sehr zu verwässern. Deborah Messing (Evans Mum Jessica), Rhea Perlman (Grossmutter Ruth), Peter Hermann (Evans Vater Joel) und Josh Peck (der Rabbi) liefern genau das richtige Mass an elterlicher Fürsorge und Besorgnis. Allerdings ist die Einbindung einer Nebenhandlung rund um Jessicas Karriere eher hinderlich als hilfreich.
Die Stars von 13 bleiben sein junges Ensemble. Jede der zentralen Teenagerfiguren ist klar gezeichnet – und zusammen mit Robert Browns brillanter Partitur macht das einfach Freude. Eli Golden (Evan), Gabriella Uhl (Patrice), JD McCrary (Brett), Frankie McNellis (Lucy) und Lindsey Blackwell (Kendra) sind perfekt besetzt.
Foto: Netflix
Einige der stärksten Momente in 13 – Das Musical kommen aus dem Supporting Cast. Lucys Nummer mit den Cheerleadern „Opportunity“ und die Football-Jocks mit „Bad Bad News“ sind zwei Paradebeispiele.
Mein grösstes Problem mit dem Film ist der Umgang mit Archie, einem Teenager mit Behinderung, der von Jonathan Lengel perfekt gespielt wird. Selbstironisch und komisch – und doch sind das Weglassen von Archies Musiknummern „Get Me What I Need“ und „Terminal Illness“ ein herber Verlust.
Es gibt ein paar neue Songs – jeder mit einem von JRBs speziell konstruierten Ohrwürmern, bei denen man sofort mitsummt. Doch das Drehbuch und der Verlust von Archies Seele scheinen in der ersten Hälfte ein riesiges Loch zu hinterlassen. Und bei einer Laufzeit von 90 Minuten blieb bei mir die Hoffnung, dass vielleicht irgendwann in Zukunft ein längerer Director’s Cut auf uns zukommt.
Ich habe den Film inzwischen viermal gesehen – und versteht mich nicht falsch, ich liebe ihn. Aber für meine Archie-Dosis greife ich schon jetzt wieder zum NYMT Original London Cast Album.
https://www.youtube.com/watch?v=JYV57JDgDdU
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